Für die de:hub Initiative geht es im September zu einem der spannendsten Technologie-Hotspots der Welt – nach Japan. Zusammen mit vielen Partnern aus dem Berliner Ökosystem steht die Erkundung Tokios und Osakas auf dem Plan sowie die Vernetzung mit branchenführenden Unternehmen und potenziellen Partnern. Dabei besonders wichtig: Die richtige Etikette. Denn die ist in Japan auch im Geschäftsalltag durchaus komplexer als in anderen Ländern.
Wie verhält man sich also richtig? Bevor wir das klären, werfen wir zuerst einen Blick auf Japan als Wirtschafts- und Innovationsstandort.
Aufholjagd bei Startups: Wie Japan seine Innovationskraft ausbaut
Ob Robotik, Elektronik, Halbleiter oder Automatisierung: Japan ist bekanntermaßen in vielen Industriesektoren im globalen Ranking ganz vorne mit dabei – begünstigt durch eine Kombination aus staatlicher Unterstützung, starker Fertigungsinfrastruktur und gut ausgebildeten Talenten. Trotzdem blieb das Startup-Ökosystem im Land lange Zeit vergleichsweise klein.
Das will Japan ändern: Das Wirtschaftsministerium hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Förderprogramme ins Leben gerufen, die sowohl heimische als auch internationale Startups fördern – darunter das J-Startup Programm, das vor allem jene technologieorientierten Startups unterstützt, die das Potenzial haben, Japan als globalen Marktführer zu stärken. Die Japan External Trade Organization (JETRO) wiederum hilft internationalen Startups, sich auf dem japanischen Markt zu etablieren und Partnerschaften auf- und auszubauen. Daneben fungiert die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan) als zentrale Stelle der deutschen Außenwirtschaftsförderung und unterstützt insbesondere Gründungsteams mit Export-Ambitionen nach Japan. Zudem helfen diverse Accelerator-Programme aufstrebenden Startups, die schnell skalieren und auf internationale Märkte expandieren wollen.
Von Tokio bis Osaka: Regionale Startup-Szenen im Auftrieb
Wie der Staat eine vitale Startup-Kultur schafft, lässt sich in der Hauptstadt Tokio beobachten: Laut der globalen Forschungsorganisation Startup Genome stieg der geschätzte Gesamtwert des Startup-Ökosystems in Tokio allein zwischen 2020 und 2024 von 25 Milliarden auf 66 Milliarden Dollar – ein Anstieg von ganzen 264 Prozent. Gezielte Investitionen der Stadtregierung in Innovationshubs, internationale Konnektivität und strukturelle Rahmenbedingungen begünstigten diesen Auftrieb.
Gleichzeitig verdichten sich die Netzwerke zwischen VC-Firmen, Startups, öffentlichem Sektor und etablierter Wirtschaft und ermöglichen so eine schnelle Skalierung neuer Geschäftsmodelle. Auch abseits von Tokio werden Innovationsökosysteme ausgebaut – zum Beispiel in Osaka, wo mit der Gründung des Osaka Innovation Hubs eine Heimat für Startups entstanden ist. Während sich ein großer Teil der japanischen Startups in den Bereichen KI und FinTech gründen, wird auch das Thema Dekarbonisierung wichtiger. So hat sich Yokohama, Japans “Tor zur Welt”, in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot für GreenTech-Startups entwickelt.
Business-Knigge für Japan:
Potenziale für Vernetzung gibt es in Japan also genug – umso wichtiger wird interkulturelles Verständnis. Denn die japanische Geschäftswelt ist bis heute stark von Traditionen geprägt, Werte wie Respekt, Höflichkeit und Harmonie gelten gerade im Kontext von Unternehmertum und ökonomischen Partnerschaften als entscheidend. Ganz allgemein gilt: Geduld ist in Japan Gold wert, sowohl beim Networking als auch beim Verhandeln. Wer zum Beispiel schon beim ersten Treffen über Finanzielles spricht, könnte sich die ein oder andere Möglichkeit verbauen. Gleiches gilt für Pünktlichkeit, welche in Japan extrem hochgeschätzt wird. Im besten Fall kommt man sogar einige Minuten früher zu Terminen.
Die Liste der Gepflogenheiten geht noch weiter. Ein paar der wichtigsten Kulturtechniken im Geschäftskontext haben wir im Folgenden zusammengefasst.
Das erste Treffen: Vorbeugung durch Verbeugung
Während die Begrüßung in Europa als oberflächliche Formalität gilt, ist sie in Japan ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Partnerschaft. Zwar ist die Erwartungshaltung an ausländische Gäste bei der Begrüßung inklusive Verbeugung nicht ganz so hoch, trotzdem sollte man aus Respekt nicht darauf verzichten. Die angedeutete Verbeugung muss nicht perfekt sein – es gibt ohnehin unterschiedliche Winkel je nach sozialer Beziehung – aber zumindest sollte sie erkennbar sein. Sollte das japanische Gegenüber die Hand doch zu einem Handschlag ausstrecken, sollte diese natürlich erwidert werden.
Digitale Netiquette
Besondere Höflichkeit ist in Japan auch beim Austausch von geschäftlichen E-Mails an der Tagesordnung – ganz egal, ob es um eine Verabredung oder Vertragsbesprechungen geht. Eine vorsichtige Ausdrucksweise, der Gebrauch von Konjunktiven und vor allem viele Danksagungen bestimmen die digitale Kommunikation. Bei Nicht-Japanerinnen und -Japanern wird diese Etikette nicht streng eingefordert – wer langfristige Beziehungen entwickeln will, sollte sie dennoch berücksichtigen.
Visitenkarten: Mehr als eine nette Geste
Was man bei Visitenkarten falsch machen kann? Vieles – denn in Japan hat deren Übergabe zeremonielle Züge. Hier geht es um mehr als den Austausch von Kontaktinformationen. Eine Visitenkarte sollte immer stehend und mit beiden Händen übergeben werden. Als Empfängerin oder Empfänger sollte man sich zudem die Zeit nehmen, die Karte gründlich zu betrachten. Zudem sollte die Karte nicht einfach in die Hosentasche gesteckt werden – in Japan trägt man ohnehin stets einen Business Card Holder mit sich.
Hierarchien
Der berufliche Status spielt bei Geschäftstreffen in Japan eine größere Rolle als in Europa. So gilt es zum Beispiel, sich immer zuerst an die Führungskräfte zu wenden, bevor man auf andere Mitarbeitende zugeht – zum Beispiel werden Visitenkarten zuerst mit der höchstrangigen Person ausgetauscht.
„Nein” sagen
Offene Ablehnung ist verpönt. Gerade bei Verhandlungen oder Angeboten wird man ein „Nein” eher selten hören – und zwar aus Höflichkeit dem Gegenüber. Eine eindeutige Ablehnung würde dessen Gesichtsverlust bedeuten. Stattdessen wird die Antwort umschifft, zum Beispiel mit Formulierungen wie „schwierig” oder seltener auch durch bloßes Schweigen.
Geschäftsessen
Beim Business-Lunch oder -Dinner sollte man Getränke nicht selbst nachschenken – das übernimmt die Sitznachbarin oder der Sitznachbar. Eine spezielle Sitte gilt zudem beim Verzehr von Suppen: Schlürf Geräusche sind dabei völlig normal und werden Niemanden pikieren. Anders verhält es sich beim Trinkgeld, welches in Japan unüblich ist und häufig als Almosen gesehen wird.
Körperkontakt
In Japan legt man sehr viel Wert auf persönlichen Raum. Umarmen, auf die Schulter klopfen oder Händeschütteln ist im Berufsalltag nicht üblich – auch wenn letzteres aus Höflichkeit gegenüber Europäerinnen und Europäern manchmal angeboten wird.
Geschenke
Wer die optimale Atmosphäre beim Geschäftstreffen schaffen will, bringt ein Gastgeschenk mit – zum Beispiel Süßigkeiten oder Obst. Hier gilt: Es gibt keine zu aufwendige Verpackung. Denn auch sie gilt als Wertschätzung für die Beschenkten. Am besten eignen sich zudem Gastgeschenke, die man im Unternehmen teilen kann.
Kleidung
Casual Startup Look? Fehlanzeige: In Japan ist bei Geschäftstreffen meist noch immer formelle, konservative Kleidung üblich – auch in der warmen Jahreszeit. Formelle Businesskleidung für Damen und ein Anzug für Herren sind ideal, während farbenfrohe oder auffällige Kleidung mancherorts als respektlos empfunden werden könnte.
Balanceakt zwischen Zukunft und Tradition
Wer nach Japan reist, erlebt nicht nur einen globalen Technologie-Hotspot, sondern auch ein Land mit einer traditionsreichen Geschäfts- und Netzwerk-Kultur. Die starke staatliche Unterstützung für den Tech-Sektor und für innovative Startups, gepaart mit unternehmerischen Werten und Traditionen machen Japan zu einem einzigartigen Ziel für Delegationsreisen. Wer hier erfolgreiche Partnerschaften aufbauen will, sollte nicht nur die wirtschaftlichen Potenziale vor Ort kennen, sondern auch auf die subtile Kunst des geschäftlichen Umgangs.
Was man noch über Japan als Innovationsstandort wissen sollte, erfahrt ihr nach der de:hub Delegationsreise im September!
Quellen:
https://www.japanwelt.de/blog/japanische-geschaeftsetikette-regeln-und-empfehlungen
https://expateer.ch/etiquette-business-knigge-japan/
https://global-cultures.com/dos-and-donts-japan-business-etikette-in-japan/
https://oishya.com/de/journal/geheimnisse-der-japanischen-geschaets-etikette-geschaefts-meetings/


